Erfahrungsberichte aus dem FSJ-K am Theater Regensburg

Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Johannes Steinbring

Ich komme in eine neue Stadt und kenne Niemanden. Alles ist fremd für mich und in wenigen Tagen soll ich an einem Theater arbeiten? 
Ich habe ein wenig Angst vor diesen Schritt, freue mich aber gleichzeitig riesig. Und dann ist es plötzlich soweit: auf der Eröffnungsfeier stellt man mich dem gesamten Theater vor und es geht direkt danach schnell an den Arbeitsplatz. Schon wenige Wochen später ist alles ein mehr oder weniger geregelter Arbeitstag. Ich stehe um neun Uhr auf und gehe in die Requisite, wo ich dann bis mindestens 16 Uhr arbeite. In kurzer Zeit ist mir klar, was meine Aufgaben sind und wie ich mich zu verhalten habe, werde jedoch mein ganzes weiteres Jahr immer wieder überrascht von neuen Abläufen und Situationen. Auch lerne ich viele Mitarbeiter kennen, doch stelle ich erst jetzt fest, wie groß ein solches Theater ist und wie viele Mitarbeiter es eigentlich gibt. Auch verlaufe ich mich in der Stadt nicht mehr ganz so häufig.
Schon naht das erste Seminar und ich bin gespannt wie es anderen FSJ-lern ergeht. Habe ich im Verhältnis viel zu tun, viel Verantwortung, wie geht es eigentlich an anderen Theater zu, was sind typische Theaterabläufe...?
Ein halbes Jahr später: Ich sitze im Haidplatz Theater und probe mit dem Jugendclub für die Premiere „Frühlings Erwachen“. Eigentlich kann ich mir sogar keinen anderen Alltag vorstellen, soviel Spaß macht es. Ein schönes Gefühl mit im Theater Team zu sein und auch Verantwortung zu bekommen.
Und so geht das Jahr immer weiter und weiter und weiter...und auf einmal stelle ich fest, dass ich kurz vorm Ende bin und mich auf eine neue Stadt einlassen muss und alles noch einmal von vorne anfängt. Doch diesmal weiß ich, es ist alles möglich, solange man will.
Das FSJK am Theater Regensburg ist eine Bereicherung für das Leben, man lernt neue Abläufe kennen und macht Erfahrungen, die man immer wieder benutzen kann.


Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Maximilian Enderle

Ich heirate eine Familie: das Theater Regensburg… man betritt die riesige Eingangshalle mit den unzähligen, überlebensgroßen Porträts der Akteure, ab heute gehört man zur Familie!
Ganz klein und unbedeutend kommt man sich vor, selbst mit einem Meter achtzig, doch der Schein trügt. Klein ja, aber unbedeutend?! Wie das unterste Glied einer Nahrungskette, fast zu übersehen, aber nicht weg zu denken!
Die Begrüßung der neuen Mitarbeiter, man malt sich im Scheinwerferlicht auf der großen Bühne im Bismarckplatz noch aus, wie unwirklich das ganze ist und stellt sich vor wie man langsam an den Betreib und die Arbeit herangeführt wird, wie man lernt und wächst bis man schließlich Verantwortung übernehmen darf. 2 Sekunden später platzt der Tagtraum…“ Du! Bist du der Assistent von Ohne Filter? Mitkommen.“       
Es ist alles etwas hektisch, ja unübersichtlich an diesem ersten Tag. Konzeptionsprobe: Es wird viel geredet, man kennt sich – ich schweige. Die Ruhe vor dem Sturm. Dann beginnt ES: Eine Fülle an Informationen, die Hälfte davon kann ich nicht einordnen, ich weiß nicht wo sie hingehören, trotzdem mitschreiben. Nach gerade sechs Stunden Theater sitze ich mit den anderen FSJKlern wieder beisammen und bekomme eine Einführung… mitschreiben. So ähnlich geht es die nächsten zwei Wochen weiter, ständig neue Informationen, neue Menschen, neue Aufgaben. Ohne die vielen helfenden Hände der alteingesessenen Kollegen unmöglich zu bewältigen. Genau hier ist die Familie, die ihr Neugeborenes aufpäppelt, das Nesthäkchen auffängt immer dann wenn es zu fallen droht und dem herangewachsenen Grünschnabel später auch mal in seine Schranken weist.
Irgendwann erwartet man eine gewisse Routine im Arbeitsalltag, doch diese stellt sich bis zum letzten Tag nicht ein. Überraschungen warten an jeder Ecke, was dem einen Regisseur gefallen hat, kann beim nächsten übel aufstoßen. Die Aufgabenfelder wachsen und den FSJlern werden täglich neue Herausforderungen gestellt. Da kann es schon mal passieren, dass die Verantwortung so groß wird, dass sie kaum zu bewältigen scheint. Doch trotz allem meistert man diese Hürden und findet schließlich auch Zeit für andere spannende Projekte, wie z.B. neben der Assistenz die musikalische Betreuung von Ox & Esel, oder Inszenierungen mit dem Jugendclub.
Am Ende kann man sagen, dass die FSJK-Zeit eine spannende Reise ins Unbekannte war, die sich auf jeden Fall gelohnt hat und sehr zu unserer Entwicklung und Selbstständigkeit beigetragen hat!




Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Judith Weiss

Ein neues Leben, neue Menschen und ein Neuanfang! Keine Wohnung, kein Geld und vor allem keine Ahnung! Am 04.09.08 schüttelte mir das „neue Leben“ die Hand und ich befand mich in der Position eines Regieassistenten. Mein neues Team: Eine Gastregisseurin, ein Gastschauspieler, ein neuengagierter Schauspieler und ein neu ernannter Souffleur, mein FSJ Kollege Hendrik.
12 Stunden am Tag befand ich mich im Theater, ständig neue Wege und Hindernisse und dabei natürlich aufkommender Zweifel daran, ob man durchhält. Das Leben aus dem Koffer und ohne jegliche Form von Gewohnheiten viel mir wider erwartend schwerer als gedacht. Mir wurde schnell klar, dass die Ausrede „ich bin doch nur der FSJler“ keine Berücksichtigung fand. Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit stand hier und da auf der Tagesordnung.

Meine erste Premiere: „Krawattenclub“. Ich hielt ein Stück Papier in den Händen auf dem ich lesen konnte: „Regieassistenz und Inspizienz: Judith Weiss!“ -Ein schöner Moment-!
Von nun an sollte alles einfacher werden. Ein nettes WG-Zimmer war gefunden, der Winter war hereingeschneit und bald stand Weihnachten vor der Tür. Selbst im Theater war ein Hauch von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit zu spüren. Die gefühlte 200. Vorstellung vom Weihnachtsmärchen galt es zu betreuen. Wann und ob man überhaupt nach Hause fahren kann, um ein wenig Weihnachten zu feiern, war unklar.

Mittlerweile war ich unglaublich gern in Regensburg. Die Arbeit als Assistent wurde immer klarer, wenn auch nicht stressfreier. Es begann Spaß zu machen, den Probenprozess beobachten zu dürfen und dabei eine organisatorische Hilfe zu sein und immer mehr mit den Regisseuren und den Schauspielern in Kontakt zu kommen. Immer mehr wuchs mir das Kinder- und Jugendtheater ans Herz. Auf den „Lebkuchenmann“ folgte „Spatz Fritz“, „Eine Odyssee“ und schließlich „Westindische Früchte“. So wurde ab der Hälfte der Spielzeit diese Sparte mein zweites Zuhause, gekoppelt an viele Menschen, die ich sehr lieb gewonnen habe.
Auf dem Weg ins KBB, die Arie der Königin der Nacht zu quicken und sich über den wunderbaren Hall im Treppenhaus zu freuen, mit dem Aufzug in den 6. Stock fahren und den fabelhaften Geruch von frischgewaschener Wäsche förmlich aufzusaugen, an der Pforte einfach immer nett zu lächeln, wenn man als eingefleischter Thüringer den Pförtner nicht versteht, in die Requisite zu gehen, wenn man gerade mal nicht weiß, wohin mit sich und seinen Aufgaben und die Selbstverständlichkeit nach der Abendprobe gemeinsam auf ein oder zwei Bier zu gehen. All diese kleinen Freuden und Momente werden mir unglaublich fehlen.
Erwartungen wurden übertroffen, gebrochen und erfüllt. Jetzt gilt es herauszufinden, ob ich mich infiziert habe, oder ob ich vom Theaterfieber geheilt bin.



Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Hendrik Krüger

Das Jahr begann sonnig, mit dem Orientierungstag. Nach einer ausgedehnten Vorsprech-Tour durch ganz Deutschland, bei der mich immer wieder halbstündige Vorsprechtermine enttäuschten, war der Orientierungstag am Theater Regensburg eine wahre Oase der Herzlichkeit und Aufmerksamkeit.
Während des Kennenlernens der anderen Bewerber und vor allem der damaligen FSJler, wurde mir immer klarer, dass ich hier ein Jahr arbeiten und wachsen will.
Nach der Zusage folgte zunächst Freude und dann die Einsicht, dass so ein eigenständiges Jahr gut vorbereitet sein will. In meinem unverschämten Glück fand ich dann auch ein Zimmer in einer netten 5er-WG, zentrumsnah und Mitte August einzugsbereit. Das gab mir die Möglichkeit, mich mit der fremden Stadt vertraut zu machen, bevor ich mich an das Theaterleben gewöhnen musste.

Und dann war es soweit, der erste Arbeitstag. Nach 13 Jahren Schule, die ich gerade zum Ende fast nur noch als einengend und zeitraubend empfunden hatte, war ich nun vollgepumpt mit Neugier und Arbeitseifer. Und so schwebte ich die ersten Wochen auf der Woge des Unbekannten, ein Zustand, der mich so manche Anstrengung und so manchen Stress ertragen ließ.
Sehr bald jedoch folgte die ernüchternde Erfahrung, dass selbst in Regensburg das Wetter zum Ende des Jahres schlechter wird und dass mir in meiner Funktion als Souffleur schnell die Arbeit ausging. Auch wenn ich mir die Regieassistenz in der ersten Produktion mit Judith (meiner „Kollegin“) geteilt habe, kamen wir doch beide schnell zum Resümee, dass wir uns oft langweilten. Aus jetziger Sicht weiß ich, dass ich eines im Laufe des Jahres und der folgenden Produktionen, bei denen ich als Regieassistent noch mehr Verantwortung zu tragen hatte, begreifen musste. Je mehr Einsatz und Aufmerksamkeit ich einer Aufgabe schenke, desto mehr würde sie mir auch zurückgeben.

Durch das genaue Beobachten und den engen Kontakt zu Schauspielern und Regisseuren habe ich eine Menge gelernt, was ich im Jugendclub sinnvoll in der Praxis anwenden konnte.
Außerdem stellte sich bei mir während meiner Zeit als Regieassistent zunehmend das Gefühl ein, dass ich den Arbeitsprozess durch Eigeninitiative aktiv vereinfachen konnte.
Und das war ein sehr gutes Gefühl.
Was den Jugendclub betrifft, so war dieser für mich über das ganze Jahr eine wichtige Institution, um das Beobachtete anzuwenden, Neues auszuprobieren und schlicht Kontakt zu Gleichaltrigen aufzubauen. Denn Kontakte außerhalb des Theaters oder im dem Rahmen des FSJ-Kultur zu knüpfen, erwies sich als schwierig.

Ein wahrer Inspirations- und Antriebsschub waren die FSJ-Seminare, bei denen ich wunderbare Menschen kennengelernt habe, die ich auch nach dem Jahr keinesfalls missen möchte.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich an mir selbst eine große Entwicklung feststelle, mein Selbstbewusstsein, meine Kommunikationsfähigkeit und Wachheit sind gewachsen.
Ganz gleich, ob andere mir das bestätigen können oder nicht, für mich fühlt sich mein Leben intensiver an.
Nicht jeder Tag war schön und von kreativer Energie erfüllt, aber irgendwie war jeder Tag sinnvoll. Und so geh ich aus diesem Jahr mit dem Bedürfnis, weiter zu ziehen und das Theater für mein Leben mitzunehmen.




Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Philip Rubner

4. September, an diesem Tag begann mein FSJ-Kultur am Theater mit einer Begrüßung aller Neuzugänge durch unseren Intendanten. 30 neue Mitarbeiter waren es ungefähr die empfangen wurden, darunter auch wir drei Freiwilligen. Danach beginnt der normale Arbeitsalltag für mich in der Requisite.

Meine Zielsetzung für das Jahr war einen Einblick in die Theatermaschinerie eines Mehrspartenhauses zu bekommen, Arbeitsprozesse einer Produktion zu lernen und nachzuvollziehen und natürlich in erster Linie Erfahrungen zu sammeln und mich zu orientieren.

Zu den ersten Aufgaben gehörte eine Rose aus Toilettenpapier zu fertigen. Dann kam auch bald die erste Produktion welche ich betreut habe, zusammen mit meiner Vorgängerin und derzeitigen Auszubildenden. Dadurch habe ich mich sehr schnell und gut in den Arbeitsprozess einfinden können, auch durch die Unterstützung der anderen Kolleginnen. In der ersten Zeit in Regensburg habe ich mich fix an die Stadt gewöhnt und sie lieben gelernt. Auch Kontakte sind sehr schnell entstanden, sowohl inner- als auch außerhalb des Theaters. Und das obwohl man in der ersten Zeit das Gefühl hat jeder kennt einen aber du kennst sie nicht, wenn man durch das Haus läuft. Aber das hat sich wie gesagt sehr schnell ergeben, so dass sich auf keinen Fall das Gefühl entwickelt man kennt niemanden in einer neuen Umgebung. Die Wohnungssuche in Regensburg gestaltete sich für mich wahrlich kompliziert, sie ist es auch immer noch in einer Studentenstadt, aber nach einigen Wochen Gastiere bei einer Regieassistentin habe auch ich eine feste Bleibe gefunden. Zur Zeit meines Umzuges in die neue Wohnung waren gerade die Endproben zum jährlichen Weihnachtsmärchen im vollem Gange, welches meist von den Freiwilligen betreut wird. Das hieß für mich kurzzeitig doppelte Belastung, aber alles ging gut über die Runden.

Mittlerweile stehen die neuen Freiwilligen fest, die Bewerbungen für das Studium sind im vollem Gange, die letzten Wochen brechen an und ich muss meinen Umzug organisieren – jetzt wird deutlich, dass das Jahr schon vorbei ist und ich hier das Feld räume, schade eigentlich. Ich werde die Zeit in Erinnerung behalten, das weis ich.

Mein Ziel Erfahrungen und Einblicke zu erlangen, habe ich erreicht. Ich hab meine Produktionen betreut, viel organisatorische Arbeit gelernt, was es heißt auf ein Gastspiel zu fahren und in stressigen Zeiten was eine Abteilung alles bewältigen kann.

Eins steht fest: ich kam von einem Theater, habe das FSJ an einem gemacht und werde wieder ins Theater zurückkehren.




Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von David-Benjamin Berger


Vor dem FSJ macht man sich etliche Gedanken, darüber, was einen erwartet, wie das Jahr verlaufen wird. Immer wieder hört man von verschiedenen Seiten Ratschläge und immer wieder die Phrase, man werde ins kalte Wasser geworfen …
Ich denke, ins kalte Wasser werfen ist nicht der richtige Vergleich, er ist zu kurzatmig, vielmehr lässt sich das FSJ mit einer Teeblume vergleichen, eine kunstfertige Art Teeblätter in Form einer Kugel zubinden, die während des Aufgusses zu einer Blüte heranwächst.
Die ersten Tage fühlt man sich allein in der neuen Stadt, sie ist zwar reich an neuen Eindrücken und Möglichkeiten, doch die Plätze sind gleichzeitig unheimlich leer, eine Stadt ohne erlebte Erinnerung. Außer dem Theater gibt es keinen Anlaufpunkt, weder Freunde noch irgendwelche Stammcafes oder Lieblingsplätze, noch nicht mal eine Wohnung, erst mal nur ein Jugendherbergszimmer mit wechselnder Belegschaft. Man ist ganz alleine, wie eben eine Teeblume in der Kanne.
Dann bricht plötzlich ein Sturzbach, das heiße Wasser über einem herein. Der erste Arbeitstag, gleich nach der Spielzeiteröffnung des Intendanten, schwärmen die Mitarbeiter des Theaters in ihre Abteilungen. Ich stecke mittendrin, werde mitgerissen und lande irgendwie auf der Probebühne. Dort ist schon das ganze Team für die Produktion versammelt, hie und da noch ein paar Anweisungen, und los geht es, der erste Probenblock beginnt. In der Mittagspause noch mal schnell auf Wohnungssuche, schließlich kann ich nicht ewig in der Jugendherberge nächtigen. Danach kurz ins Büro und zum zweiten Probenblock. Nach einem gefühlten 15 Stunden Tag kuschele ich mich wohlig in mein, hie und da schaukelndes Stockbett.
Die ersten Wochen sind wie ein einziger Aufguss, aufgeschreckt, vom heißen Wasser, schwirrt man durch das Theater, trifft sich das erste mal abends auf ein Bier, entdeckt, dass man keinen anderen Kuchen mehr essen möchte als den aus dem Cafe gegenüber und wie jeder Zugereiste ist man entzückt über die herrliche Altstadt und erst recht über die erste eigene Wohnung. Dann folgt schon das erste FSJ-Seminar, dort herrscht ein reger Austausch, zwischen den Gleichgesinnten. Bereichert durch die neuen Eindrücke, entfaltete man sich langsam gleich einer Teeblume in der neuen Umgebung.
Nach und nach nimmt die Temperatur des Wassers ab, man akzeptiert das neue Leben, als wenn es einem altbekannt wäre. An das Treiben und das Arbeiten am Theater gewöhnt man sich, versteht langsam die Abläufe und ist fast vor neuen Überraschungen gefeit, doch einige bleiben im petto, bis zum letzten Arbeitstag.
Nach den ersten Monaten hat man seine Blütenblätter in jegliche denkbare Richtung ausgestreckt, neue kleine Aufgüsse ermöglichen einem neue Räume. Ab einem Punkt, den man selbst nicht bemerkt, wirkt das Wasser plötzlich nicht mehr kochend heiß. Man entwickelt eine Art Routine, gleichzeitig  ist endlich ein wenig Zeit zum durchatmen da, Zeit für eine Zwischenreflexion. In der ersten Zeit hat man viel über das Theater dazu gelernt, auf der künstlerischen, wie auf der organisatorischen Seite, flüchtige Bekanntschaften sind zu Freundschaften geworden. Die reichen Erfahrungen führen aber auch zu einer neuen Bewertung der Situation, und was am Anfang einen fast verbrühte, ist vielleicht doch nicht im Ganzen gleich temperiert, manches ist lauwarm, gar kalt. Einige neue Bekanntschaften eröffnen Abgründe, die man lieber nicht erfahren möchte; Was einem am Theater faszinierte, ist zum Teil nur Neu und letztlich nicht außergewöhnlich gewesen.
Selbst bleibt man natürlich nicht von Kritik verschont. In dieser Phase des abkühlenden Wassers bleibt die Teeblume etwas hinter ihrer vollen Blüte zurück.
Auch nach einer teilweisen Desillusionierung sammelt man immer wieder neue Eindrücke und lernt mit diesem neuem Abstand auf die Dinge zu schauen. Auf ein gesundes Maß abgeschwächt bleibt dieser Zustand bis zum Ende des FSJ erhalten und es ist wahrscheinlich die reichste Phase in dieser Zeit; man nimmt nicht nur auf, sondern filtert die neuen warmen Wasserströme, so bleibt man vor dem plötzlichen Aufwachen  verschont.
Am Ende bleibt eine zur Blüte gewandelte Teeblume zurück, reich an neuen Eindrücken, neue Fähigkeiten zum Reflektieren und einem schönen Jahr in Regensburg, an das es sich zu erinnern lohnt. Nun wird es Zeit für eine neue Teekanne nach dem Jahr FSJ-K!



Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Sven Zedlitz

„Nach einem Jahr am Theater Regensburg, fühle ich mich um Jahre gealtert.“ Mit diesen Worten bin ich von meinen FSJ-Vorgängern in meine Arbeit am Theater Regensburg eingeführt worden. Ich muss zugeben, dass ich diese schicksalhafte Voraussage für übertrieben hielt.
So frisch von der Schule kam ich voller Erwartungen und Tatendrang an einen professionellen Theaterbetrieb. Angefüllt mit unzähligen Erinnerungen an meine bisherigen Erfahrungen mit mehr oder weniger amateurhaften Theatergruppen, war die nun fachspezifische Herangehensweise in der Erarbeitung von Theaterstücken, die ich als Souffleur und/oder Regieassistent begleiten darf, eine grundlegend neue Erfahrung für mich. Für mich besonders interessant gestaltet sich der Kontakt zu Schauspielern und Regisseuren, der sich auf einer mal mehr oder mal weniger persönlichen Ebene entwickelt.
Insbesondere während der Probenzeit, also in der Entstehung der Produktionen, bilden sich –allerdings meist auf etwa sechs Wochen begrenzt, sehr intensive Begegnungen. So lernte ich eine völlig neue Form kennen, Menschen gegenüberzutreten.
Lehrreich war für mich vor allem zu spüren, wie stark der Erfolg eines komplexen Prozesses, in diesem Fall eines Theaterstückes, nicht zuletzt auch von der Effizienz meiner Arbeit abhängt. Ich stellte fest, dass die Notwendigkeit, die Dinge absolut zuverlässig zu erledigen, für mich zunehmend selbstverständlicher wurden, wenngleich ich zugegebenermaßen gerade damit meine anfänglichen Probleme hatte. Diese Entwicklung beobachten meine Vorgesetzten mit großer Freude.
Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekam, diese Stelle ein Jahr lang zu besetzen.
Nicht nur, dass meine Motivation, mich künftig an einer Universität intellektuell zu beschäftigen, durch die routinierte und manchmal harte Theaterarbeit nochmals gesteigert wurde, so war doch die Erfahrung über ein Jahr an einem Theater, ein wichtiger Teil meiner persönlichen Entwicklung, die ich nicht mehr missen möchte. Freunde beschreiben mich jetzt als viel ausgeglichener, ruhiger und nicht mehr so hektisch wie früher. Selbst für die leichte Desillusionierung, die die professionalisierte Theaterarbeit bei mir mit sich brachte, bin ich sehr dankbar.
Welche Schlüsse man für sich nach einem Jahr FSJ-K zieht, steht jedem selbst offen.
Ich arbeitete jetzt eine Spielzeit am Jahr am Theater Regensburg und bin in meinen Erfahrungen um viele Jahre gealtert - und doch froh, noch so jung zu sein!



 

 

Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Lina Endl

Der sechste September, mein erster Arbeitstag im FSJ-Kultur am Theater Regensburg. Ich bin aufgeregt, habe keine Ahnung was und wer mich erwartet und ein wenig Panik, dass ich den Anforderungen vielleicht doch nicht genügen könnte.
Seit mehreren Tagen wohne ich nun schon hier und die erste eigene Wohnung ist nur einer der vielen neuen Eindrücke, die auf mich einströmen. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber der neuen Stadt und der Oberpfalz, lasse ich mich jedoch schnell belehren und merke wie schön Regensburg eigentlich sein kann.
Die Stadt bleibt allerdings nicht das Einzige was mir gefällt. Meine Arbeit macht mir Spaß, mit meinen Arbeitskollegen komme ich gut klar und bereits nach wenigen Wochen habe ich das Gefühl das halbe Theater zu kennen.
Dann die erste wirklich große Herausforderung: Ich soll mich alleine um die Requisiten des Weihnachtsmärchens kümmern und die Produktion dann betreuen. Ich frage mich, warum man mir das zutraut, fühle mich sehr gefordert, vielleicht auch überfordert, aber ich bekomme immer, wenn es notwendig ist, Unterstützung und so ist auch diese Hürde erstaunlich schnell genommen.
Mit der Zeit wird mir immer bewusster, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Das freiwillige kulturelle Jahr ist genau das Richtige für mich. Ich lerne jeden Tag etwas Neues und habe immer wieder das Gefühl an den Aufgaben, die auf  mich zukommen, zu wachsen.
Weder dem Theater noch Regensburg möchte ich den Rücken kehren.
Unglaublich, dass ich sogar den Eindruck bekomme, etwas gefunden zu haben, was ich auch beruflich weitermachen will.
Natürlich, lerne ich auch die negativen Seiten des Theaters und des Theaterbetriebes kennen, denn nicht immer funktioniert alles reibungslos und auch meine Freizeit leidet ein wenig darunter. Oft stelle ich Privates, mal mehr und mal weniger freiwillig, hinten an.
Ich denke, es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder man liebt das Theater oder man hat nicht viel dafür übrig.
Ich habe mich verliebt!


 

Persönlicher Bericht zum FSJ-K
Von Benedikt Figel

 

Welche Möglichkeiten bietet mir das FSJ?Es braucht schon seine Zeit, darüber nachzudenken. Denn wenig ist es nicht.Es fängt ja schon damit an, alleine in eine fremde Stadt zu ziehen und mit dieser neuen Situation zurechtzukommen, zu erkennen, dass das manchmal einfacher ist als behütet bei seinen Eltern zu wohnen, manchmal aber auch viel schwerer.Wohnung suchen, Orte suchen, Straßen suchen, Menschen suchen, Kontakte suchen, Abteilungen suchen, Ideen suchen, Worte, Texte, Schätze, Ziele, Probenräume, Termine, Stücke, Vorsprechrollen, Gedanken, Bücher, Requisiten, Züge, ... und nicht zuletzt auch sich selbst suchen – sich selbst zu finden, zu wissen was man will, das ist für die meisten FSJler der Antrieb für ein solches Jahr. Unterstützt durch kompetent aufgebaute und liebevoll gestaltete Seminare der BKJ bietet sich mir auf jeden Fall die Möglichkeit, mir über mich selbst Gedanken zu machen. Ein „Pausenjahr“ ist es aber auf keinen Fall. Denn die meiste Zeit bin ich fest in den Theaterbetrieb eingespannt, beschäftige mich dann auch noch in meiner „Freizeit“ mit Theater – freiwillig, denn es macht Spaß, ist interessant und es gibt jede Menge zu sehen und zu lernen. Einen Theaterbetrieb von innen zu sehen war für mich vor diesem Jahr ja nicht unbedingt alltäglich. Um so spannender war es, mit den verschiedensten Abteilungen zusammenzuarbeiten – auch wenn dies manchmal weniger reibungslos funktioniert als man meint. Dadurch habe ich aber auf jeden Fall an Geduld, Kommunikations- und Organisationsfähigkeit dazugewonnen. Meine Arbeitsbereiche sind durchaus abwechslungsreich, auch was den geistigen und körperlichen Anspruch anbelangt. Diese Wechsel zwischen „Hol mal“ - Aufgaben und vergleichsweise anspruchsvollen musikalischen, schauspielerischen oder organisatorischen Tätigkeiten tragen dazu bei, einen Überblick über die Bandbreite der Theaterarbeit zu bekommen. Im Hinblick auf die Frage „Was lerne ich?“ würde ich, zuallererst die Erfahrungen meiner Regieassistenzen anführen. Man bekommt die Methoden verschiedener Regisseure, Eigenarten der Schauspieler, Lichttechnische Einstellungen, organisatorische Abläufe und nicht zuletzt den Weg vom Text zur Aufführung am direktesten mit. Das Schönste an dem Jahr sind aber für mich nicht die Theaterstücke an sich, sondern vor allem die Menschen, die man dabei kennenlernt. Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Theaterpädagogen, Jugendclubler,... mit denen man nicht nur bei der Arbeit zu tun hat, sondern auch mal privat begegnet. So habe ich hier einige kennengelernt, die ich nach dem Jahr bestimmt vermissen werde.Dass zu alledem das Freiwillige Soziale Jahr auch noch als Wehrdienstersatz anerkannt wird, ist...(da fehlen mir die Worte)

 

 

Persönlicher Text zum FSJ-K
Von Christine Böhm

Rückblick: Mai 2004. Der Zug aus Nürnberg fährt in Regensburg ein, es regnet – was sonst. In 2 Stunden habe ich ein Bewerbungsgespräch am Theater für das FSJ-Kultur – dabei will ich doch eigentlich gar nicht in diese Stadt. Zu weit weg von zu Hause, zu weit südlich – zu bayrisch?
Eine Woche später: der Anruf. Sie nehmen mich. Im Sommer soll ich zu Vorproben erstmals  nach Regensburg kommen. Na gut. Packen wir’s also an.
Im Juli dann also zum ersten Mal richtig in Regensburg. Die Stadt ist warm, so gefällt sie mir schon besser. Mein erster Arbeitstag: ich komme in die Dramaturgie in der Kreuzgasse, man begrüßt mich, wie war die Fahrt? Gut, gut. Wir müssen gleich weiter zum Turmtheater. Man drückt mir eine Telefonliste in die Hand, die werde ich noch brauchen. Im Turmtheater, einer kleinen Spielstätte des Theaters, ist das Team schon fast vollständig versammelt. Ich bin die Jüngste – das wird mir noch öfter so gehen. Nach einem lockeren Gespräch beginnen die Proben. Als Assistentin muss ich sogleich ein paar Anrufe tätigen – Requisite, Werkstätten…ich schwimme im kalten Wasser. Ich zittere, ob das geschieht, was ich veranlasse – schließlich kennt mich an diesem Haus keiner und vor allem kenne ich mich nicht aus…wider Erwarten läuft alles glatt. Aller Anfang ist schwer, doch es wird besser.
Ich werde im Juli kommen, ein Stück ansehen, das ich übernehme und Wohnung suchen. Das Leben stellt mich vor neue Herausforderungen. Doch der Regensburger Sommer ist gnädig mit mir – sehr warm und sonnig, die Donau beginnt mir zu gefallen, die Stadt auch. In der Theaterwohnung, in der ich fürs erste unterkomme, schließe ich erste Bekanntschaften, das Jazz-Weekend tut sein übriges für meine gute Laune. Das Jahr kann beginnen.

Fast schon ein Jahr später: März 2005. Einer der ersten warmen Frühlingstage. Ich schaue zurück. Zum ersten Mal wirklich bewusst. Was bringt mir dieses Jahr? Was ist aus mir geworden?
Regensburg, so viel ist sicher, hat mich gestärkt. Die Ängste - keinen Anschluss zu finden, überfordert zu sein, zu weit weg zu sein – sind verflogen. Das Jahr stärkt, von außen und von innen. Ich werde gefordert, manchmal kommt es mir wie Überforderung vor, doch ist dies wohl besser als Unterforderung. Ich lerne Kompromisse einzugehen und gegen Mauern zu rennen. Ich lerne die Missstände eines Theaters kennen, seine Zwiespälte – aber auch das Wunderbare am Theater. Gute Regisseure und schlechte Regisseure. Mein Urteilsvermögen wächst mit jeder Inszenierung, die ich sehe. Ich weiß inzwischen, was ich gut finde und was nicht. Ich habe mehr Mut. Ich habe teilweise mehr Verachtung. Trotzdem bleibt der Wunsch am Theater zu bleiben, ihm treu zu bleiben. Wo soll ich sonst auch hin?

Nur eines gibt mir dieses Jahr nicht: die Antwort darauf, was wird aus mir.