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Das Programm

Der Opernchor des Theaters Regensburg unter der Leitung von Alistair Lilley präsentiert in diesem Konzert einen Parcours durch die Geschichte des Chorgesangs.


Opernchor – sakral gestimmt

Claudio Monteverdi (1567–1643)
„Kyrie“ aus der „Messa a quattro voci da cappella“ (1650)

Antonio Vivaldi (1678–1741)
„Gloria“ und „Domine fili unigenite“ aus „Gloria“ RV 589 (1715)

Johann Christian Bach (1735–1782)
„Credo breve“ in C-Dur (1758)

Joseph Haydn (1732–1809)
„Sanctus“ aus der Missa B-Dur Hob. XXII: 12 „Theresienmesse“ (1799)
Soli: Selena Altar, Elena Lin, Christian Schossig, Roman-Ruslan Soltys

Gioachino Rossini (1792–1868)
„Sanctus“ aus der „Petite messe solennelle“ (1863)
Soli: Ayumi Futagawa, Beata Marti, Kyu-Hyun Lee, Thomas Lackinger

Antonin Dvořák (1841–1904)
„Benedictus“ aus der Messe in D-Dur op. 86 (1887)

John Rutter (*1947)
„Agnus Dei“ aus „Requiem“ (1985)

 

Opernchor – zu Hause auf der Bühne

Gioachino Rossini (1792–1868)
Ouvertüre zu „Il Barbiere di Siviglia“ (1816) für Chor a capella (Arrangement: Daryl Runswick)

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
„Nettuno s’onori“ Chor aus dem 1. Akt von „Idomeneo“ (1781)
Soli: Ayumi Futagawa, Elena Lin, Jinsu Kim, Mert Öztaner

Gaetano Donizetti (1797–1848)

„Che interminabile“ aus der Opera buffa „Don Pasquale“ (1843)

Giuseppe Verdi (1813–1901)
„Va’ pensiero sull’ ali dorate“ aus „Nabucco“ (1842)

Giuseppe Verdi (1813–1901)
„Coro di Zingarelle e Mattadori“ aus „La Traviata“ (1853)
Soli: Beata Marti, Mikhail Kuldyaev

 

Opernchor – on Broadway

„Richard Rodgers in concert“
Chorarrangement von Mac Huff, Orchesterarrangement von Paul Murtha
Songs aus Broadway-Musicals von Richard Rodgers (1902–1979)

„Slaughter on tenth avenue“ aus „On Your Toes“
„The sound of music“ aus dem gleichnamigen Musical
„The surrey with the fringe on top“ aus „Oklahoma!“
„I whistle a happy tune“ aus „The King and I“
„The march of the siamese children“ aus „The King and I“
„My funny Valentine“ aus „Babes in Arms“
„Do-Re-Mi“ aus „The Sound of Music“
„There is nothin’ like a dame“ aus „South Pacific“
„June ist bustin’ out all over“ aus „Carousel“
„Oklahoma“ aus dem gleichnamigen Musical
Soli: Verena Ulrich, Mert Öztaner, Thomas Lackinger, Jens Birnbach


Opernchor – sakral gestimmt

Den Beginn machen sakrale Werke aus mehreren Jahrhunderten, in ihrem Ablauf angelehnt an die Messliturgie. 

Claudio Monteverdi: Kyrie

Das „Kyrie“ stammt aus Claudio Monteverdis überaus kunstvoller „Messa a quattro voci da cappella“, ein Spätwerk des Komponisten, das wahrscheinlich für eine Weihnachtsmesse im venezianischen Markus-Dom entstanden ist und erst nach Monteverdis Tod veröffentlicht wurde. Geboren wurde Claudio Monteverdi in Cremona. Am 15. Mai 1567 wurde sein Name in das Taufregister der Kirche Santi Nazaro e Celso eingetragen. Sein Vater war der Apotheker, Wundarzt und Chirurg Baldassare Monteverdi. Ein gebildeter und angesehener Mann, der die Begabung seines Sohnes früh gefördert haben dürfte. Denn er war es wohl, der es Monteverdi ermöglichte im Alter von fünfzehn Jahren seine erste Werksammlung zu veröffentlichen. Im Alter von 23 Jahren erhielt Monteverdi eine Anstellung am Hof Herzog Vincenzos I. Gonzaga in Mantua. Seine Oper „L’Orfeo“, mit der er das erste Musiktheater im modernen Sinne schuf, brachte ihm große Anerkennung ein. Dennoch litt Monteverdi unter seiner Abhängigkeit in adeligen Diensten und außerdem immer wieder unter gesundheitlichen und finanziellen Problemen. Erst als Kapellmeister am Duomo di San Marco in Venedig fand er ab 1613 schließlich ideale Bedingungen für sein Schaffen vor. Monteverdi setzte alles daran, der dortigen Kirchenmusik zu neuem Glanz zu verhelfen. So stellte er neue Sänger ein, darunter Kastraten, um die hohen Stimmen des Chores glänzen zu lassen, versuchte Instrumentalisten mit festen Verträgen zu binden und steuerte regelmäßig zu den großen kirchlichen Festen Kompositionen bei.

Antonio Vivaldi: Gloria / Domine fili unigenite

Wie im Falle Monteverdis spielt die Stadt Venedig auch im Leben und Wirken Antonio Vivaldis eine wichtige Rolle. Dort wurde er 1678 als Sohn des Barbiers und Geigers Giovanni Battista Vivaldi geboren. In Anspielung auf seinen vom Vater ererbten roten Haarschopf und seinen eigentlichen Beruf nannten Vivaldi seine Zeitgenossen „prete rosso“, also rothaariger Priester. Das Amt des Geistlichen scheint Antonio Vivaldi jedoch nicht lange zugesagt zu haben. Wegen einer chronischen Atemwegserkrankung konnte er angeblich keine Messen lesen, was ihn aber nicht daran hinderte, als brillanter Violinvirtuose in Erscheinung zu treten, der sich schon früh über die Grenzen Venedigs hinaus einen Namen machte. Zudem prägte Vivaldi mit seinen an die 450 Concerti entscheidend die in Mitteleuropa zu Beginn des 18. Jahrhunderts gerade erst aufblühende Gattung der Orchestermusik. Produktiv war er außerdem auf dem Gebiet der Oper – als Komponist, Regisseur und auch als (letztlich glückloser) Impresario.  Seine rund fünfzig Werke geistlicher Musik zeigten wenig Wirkung über Italien hinaus, auch liegt der Hintergrund ihrer Entstehung im Dunkeln. Viele wurden komponiert in Zusammenhang mit Vivaldis Beschäftigung am „Ospedale della Pieta“, einem der vier großen Waisenhäuser Venedigs, das jungen Mädchen eine hervorragende musikalische Ausbildung ermöglichte. Für die Musikerinnen des „Ospedale“ schrieb Vivaldi zahlreiche seiner virtuosen Concerti, mit deren Aufführung die Mädchen ihren Lebensunterhalt verdienten: Ihre öffentlichen Auftritte an Sonn- und Feiertagen gehörten zu den musikalischen Hauptattraktionen Venedigs und wurden bereits in zeitgenössischen Reiseführern angepriesen. Das „Gloria“ könnte Ende 1716 für einen Dankgottesdienst anlässlich der Siege entstanden sein, die die Venezianer und ihre Verbündeten gegen die Türken errungen hatten. Auch denkbar ist, dass das festliche Werk, in dem zweifelsfrei der Chor die Hauptrolle spielt, mit jener Komposition identisch ist, die der international renommierte Vivaldi im Jahr 1725 für die Hochzeit des französischen Königs Ludwigs XV. zu liefern hatte.

Johann Christian Bach: Credo breve

Der längste Text der Messritus, das Glaubensbekenntnis „Credo in unum Deum“ (Ich glaube an den einen Gott) erklingt in einer Vertonung des letzten Bach-Sohnes Johann Christian Bach. Im Gegensatz zu seinem Vater Johann Sebastian, der deutschen Boden Zeit seines Lebens nicht verlassen hat, gleicht die Biographie von Johann Christian Bach der eines Europäers. Mit achtzehn Jahren begleitete der Komponist die Kontraaltistin Anna Lorio di Campo Lungo nach Italien. Diese Reise gab seinem Leben die entscheidende Wendung: In nur kurzer Zeit wurde aus dem gebürtigen Sachsen ein Wahl-Italiener, der sich die neue Sprache aneignete und sogar zum Katholizismus konvertierte, was Voraussetzung für eine repräsentative Anstellung war. Es entstand zunächst viel Kirchenmusik, darunter in Mailand 1758 das „Credo breve“. 1761/62 gelangten dann sowohl in Turin als auch in Neapel seine ersten Opern zur Aufführung – mit so starkem Echo, dass der junge Johann Christian Bach für weitere Opern nach London engagiert wurde und dort alsbald auch Königin Sophie Charlotte unterrichtete. Als Komponist, Virtuose und – gemeinsam mit Carl Friedrich Abel – Konzertveranstalter machte er sich rasch einen Namen. Musikalisch beeinflusste er besonders nachfolgende Generationen, so den um 21 Jahre jüngeren Wolfgang Amadeus Mozart, der Johann Christian Bach 1764/65 in London kennenlernte.

Joseph Haydn: „Sanctus“

Warum und von wem Joseph Haydns sogenannte „Theresienmesse“ ihren Namen erhielt, ist nicht geklärt. In Auftrag gegeben hat sie wohl Haydns Dienstherr, Fürst Nikolaus II. Esterházy. Er hatte die von seinem Vorgänger aufgelöste Kapelle in Eisenstadt 1795 wieder eingerichtet und Haydn, der durch seine beiden Londonreisen von 1790 bis 1792 und 1794/95 endgültig zum berühmtesten Komponisten Europas geworden war, neu eingestellt. Haydns einzige formelle Pflicht bestand darin, jedes Jahr zum 8. September, dem Namenstag der Fürstin Maria Josepha Hermengild Esterházy, eine Messe zu schreiben.

So entstanden die sechs letzten Hochämter, darunter im Sommer 1799 die „Theresienmesse“. Alle erlebten ihre erste Aufführung in der fürstlichen Kapelle zu Eisenstadt. Die „Theresienmesse“ ist unter den sechs späten Werken das lyrischste und intimste. Kennzeichnend für die Messe ist außerdem die bedeutende Rolle, die den vier Solisten zugedacht ist. Sie treten allerdings nicht als unabhängige Sänger auf, sondern zumeist als Quartett, als eine Art Miniatur-Chor, der Änderungen der Klanglichkeit bewirkt. Trotz ihrer kleinen Besetzung ist die „Theresienmesse“ von großer, mitunter dramatischer Wirkung. Vermutlich war das ein Grund dafür, dass sie wie die übrigen späten Messen Haydns im beginnenden 19. Jahrhundert zunächst wenig bekannt wurde: Die Kirche störte sich an der  Theateratmosphäre, dem „weltlichen“ Tonfall, der die Gläubigen von der Andachtsübung abhalten konnte. Haydn selbst verteidigte sich gegen solche Vorhaltungen: „Ich weiß es nicht anders zu machen. Wie ich’s habe, so geb’ ich’s. Wenn ich aber an Gott denke, so ist mein Herz so voll Freude, dass mir die Noten wie von der Spule laufen. Und da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm auch fröhlich diene.“

Gioachino Rossini: „Sanctus“ (Benedictus)

Gioachino Rossini war der erfolgreichste, meistgespielte Komponist seiner Generation und eine der prägenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts: „Der größte Künstler unserer Zeit“, so brachte es der französische Schriftsteller und Rossini-Verehrer Stendhal auf den Punkt. Seine Traumkarriere begann früh: Bereits mit Anfang zwanzig feierte er in Venedig erste Erfolge, spätererlangte er sowohl mit Werken der Opera seria als auch der Opera buffa Weltruhm. Neben seinen künstlerischen Erfolgen gilt Rossini bis heute als Inbegriff der mediterranen Frohnatur, als robuster Charakter, sinnenfreudiger Gourmet – berüchtigt für seinen Austern- und Weinkonsum – und als Liebhaber schöner Frauen. Doch nach der triumphalen Pariser Premiere seines „Guillaume Tell“ (1829) zog sich Rossini mit gerade einmal 37 Jahren auf dem Zenit seiner Karriere aus dem Operngeschäft ins Privatleben zurück. Er hatte erkannt, dass seine Art Opern zu komponieren nicht mehr in die neue Zeit der Romantik passte. Hinzu kamen Depressionen und chronische Krankheiten. Nach dem Tod seiner Frau, der Operndiva Isabella Colbran, heiratete Rossini im Alter von 55 Jahren Olympe Pelissier, einst Muse und Modell des französischen Malers Horace Vernet sowie Geliebte einiger Schriftsteller, darunter Eugene Sue und Honoré de Balzac. Olympe pflegte Rossini während seiner immer häufiger werdenden langen Krankheitsphasen aufopferungsvoll. Das Paar ließ sich endgültig in Paris nieder und bezog eine großzügige Wohnung in der Rue de la Chaussee d‘ Antin, wo sich Rossinis Gesundheitszustand überraschend schnell besserte. Er fing wieder an, das Leben zu genießen und zu komponieren.

Weit über hundertfünfzig Alterswerke entstanden in Paris, die der Komponist in der Sammlung „Péchés de vieillesse“ (Altersünden) zusammenfasste und vor allem auf seinen samstäglichen Soireen zu Gehör brachte. Zu Rossinis legendären „Samedi Soirs“ kam damals alles, was Rang und Namen hatte, natürlich auch Musiker und Komponistenkollegen wie Giacomo Meyerbeer, Charles Gounod, Camille Saint-Saens und Giuseppe Verdi. 1863 entstand Rossinis letzte große Komposition: die „Petite Messe solennelle. Rossini komponierte sie für „zwölf Sänger der drei Geschlechter — Männer, Frauen und castrati — im ganzen zwölf Cherubim.“ Während der Komposition beschäftigte er sich intensiv mit Palestrina und Johann Sebastian Bach und konzentrierte sich in seiner Messe ganz auf die Stimme. Die Uraufführung der „Petite Messe Solennelle“ fand am 14. März 1864 in einem kleinen, aber sehr erlesenen Kreis zur Einweihung der Privatkapelle der Gräfin Louise Pillet-Will statt. Die bald darauf angesetzte zweite Aufführung lockte ein größeres Publikum an, darunter Rossinis Freund und Kollege Meyerbeer, der die Aufführung in Tränen aufgelöst verließ. Auch die Pariser Presse zeigte sich begeistert. Rossini selbst vermerkte am Ender seiner Partitur folgendes: „Lieber Gott - voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik [musique sacrée], die ich gemacht habe, oder ist es vermaledeite Musik [sacrée musique]? Ich wurde für die Opera buffa geboren, das weißt Du wohl! Wenig Wissen, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Antonin Dvořák: Benedictus

Seine Messe D-Dur op. 86 komponierte Antonin Dvořák zwischen März und Juni des Jahres 1887 auf Wunsch des Architekten und Gründers der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Josef Hlávka, in einer Fassung für Soli, Chor und Orgel. Hlávka wollte eine neuerbaute Kapelle in seinem Schloß in Lužany (Südwestböhmen) festlich einweihen lassen und fand in Antonín Dvořák einen idealen Partner für diesen Auftrag. Der Komponist hatte sich zu jener Zeit bereits über die Grenzen seiner tschechischen Heimat hinaus einen großen Namen gemacht und war bereits höchst erfolgreich mit verschiedenen kirchlichen Werken hervorgetreten, unter anderem mit dem Stabat Mater. In einem Brief an seinen Auftraggeber vom 17. Juni 1887 berichtete Dvořák:

Sehr geehrter Herr Rat und lieber Freund. Ich habe die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß ich die Arbeit (die Messe D-Dur) glücklich beendet habe und daß ich große Freude daran habe. Ich denke, es wird ein Werk sein, das seinen Zweck erfüllen wird. Es könnte heißen: Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott dem Allmächtigen und Dank für die große Gabe, die mir gestattete, dies Werk zum Preis des Allerhöchsten und zur Ehre unserer Kunst zu beenden. Wundern Sie sich nicht, daß ich so gläubig bin - aber ein Künstler, der es nicht ist, bringt nichts solches zustande. Haben wir denn nicht Beispiele an Beethoven, Bach, Rafael und vielen anderen? Schließlich danke ich auch Ihnen, daß Sie mir die Anregung gaben, ein Werk in dieser Form zu schreiben, denn sonst hätte ich kaum je daran gedacht; bisher schrieb ich Werke dieser Art nur in großem Ausmaße und mit großen Mitteln. Diesmal aber schrieb ich nur mit bescheidenen Hilfsmitteln und doch wage ich zu behaupten, daß mir die Arbeit gelungen ist.

Die Uraufführung der Messe in D-Dur fand am 11. November 1887 in Lužany statt, doch erst, als Dvořák das Werk für Orchester setzte, begann es sich größerer Beliebtheit zu erfreuen.

John Rutter: „Agnus Dei“

John Rutter, geboren 1945 in London, studierte am Clare College in Cambridge Musik und war von 1975 bis 1979 dessen Musikdirektor. 1981 gründete er die Cambridge Singers, die er seither leitet und gilt gegenwärtig als einer der bedeutendsten und populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik. Sein Requiem, 1985 entstanden, ist ein sehr persönliches Werk: Rutter schuf es im Gedenken an seinen ein Jahr zuvor verstorbenen Vater. Das Stück, das ganz der Tonalität verpflichtet ist, verschaffte Rutter den internationalen Durchbruch. Als ein „Requiem unserer Zeit“ wollte er sein Werk verstanden wissen. Der vertonte Text besteht aus Teilen der lateinischen Totenmesse und der englischen Bestattungsliturgie im Book of Common Prayer von 1662. „Ein enges musikalisches Vorbild für seine Komposition war das Requiem von Gabriel Fauré, dessen Neuedition Rutter 1983 herausbrachte. Harmonisch interessant ist das Agnus Dei mit seinen Anleihen an die gregorianische Ostersequenz. Einmalig ist der Effekt fahler Düsternis auf dem Textwort „shadow“ mit markantem Paukenostinato über zurückgenommener Streichergrundierung. Danach sind lateinischer und englischer Text simultan miteinander verwoben, getrennt in Frauen- und Männerstimmen, um dann in einen gemeinsam vorgetragenen Hymnus auf die Auferstehung zu münden.“ (Susanne Schmerda)


Opernchor – zu Hause auf der Bühne

Den zweiten Teil des Abends eröffnet eine a-capella-Fassung von Gioachino Rossinis Ouvertüre zur Opera buffa Il Barbiere di Siviglia. „Ein sehr schnelles, virtuoses Stück, in dem die SängerInnen Instrumentenklänge imitieren.” (Alistair Lilley) Es folgt die Ciaccona „Nettuno s’onori“ aus dem zweiten Akt der Oper „Idomeneo“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Wolfgang Amadeus Mozart: „Nettuno s’onori“ (Poseidon sei Ehre) aus dem 2. Akt von „Idomeneo“

Im Jahr 1780 erhielt Wolfgang Amadeus Mozart aus München den Auftrag, für die Karnevalssaison eine Oper zu komponieren. Für den jungen Komponisten war dies ein ehrgeiziges und sicherlich auch aufregendes Projekt, denn Kurfürst Karl Theodor war 1778 mit seiner Hofkapelle von Mannheim nach München gezogen. So stand Mozart ein exzellentes Orchester und auch Sängerensemble zur Verfügung, von dessen großen Qualitäten er sich bereits vorher in Mannheim einen Eindruck machen konnte.

Im Mittelpunkt der Oper steht der kretische König Idomeneo, der von seinem Kampf um Troja zurückkehrt und in Seenot gerät. Um zu überleben schwört er, Neptun denjenigen zu opfern, der ihm bei seiner Heimkehr zuerst begegnet – es ist sein eigener Sohn Idamante. Mozart und sein Librettist, der Salzburger Hofkaplan und Hofdichter Giambattista Varesco, bezogen sich für den Stoff auf Antoine Danchets Drama „Idoménée“. Die Entstehung der Oper war ein langwieriger, oftmals quälender Prozess, wie Briefe Mozarts an seinen Vater Leopold dokumentieren. „Idomeneo“ blieb zeitlebens Mozarts Schmerzenskind und dennoch nimmt das Werk in seinen Schaffen eine besondere Stellung ein. Es ist zwar in der barocken Tradition der Opera seria geschrieben, doch gelingt es Mozart meisterhaft, ihm ganz neue Züge und Formen zu verleihen. „Idomeneo“ gilt als Mozarts große Choroper, da der Anteil der Arien zurückgedrängt, der Anteil der Ensemblesätze und Chöre dagegen aufgewertet, wie zu hören etwa im Chor „Nettuno Sonori“ (Poseidon verehret) aus dem zweiten Akt. 

Gaetano Donizetti: „Che interminabile“ (Welch unaufhörliches Hinum und Herum), Chor aus dem 3. Akt von „Don Pasquale“

Mit Don Pasquale aus dem Jahr 1843 bescherte Gaetano Donizetti dem Genre der Opera buffa ein spätes Meisterwerk.

Da sein Neffe Ernesto sich weigert, seine geliebte, doch arme Norina aufzugeben, will ihn der wohlhabende Don Pasquale enterben und für eigenen Nachwuchs sorgen. Sofronia, die ihm von Dottor Malatesta frisch aus dem Kloster zugeführt wird, verwandelt sich nach der Eheschließung schlagartig von einer scheuen Unschuld in eine extravagante und streitlustige Frau. Pasquale weiß nicht, dass Sofronia in Wirklichkeit Norina ist und dass ihn eine bittere Lektion erwartet. Der dritte Akt bringt seine endgültige Niederlage: Norina, der er im Ehevertrag die Hälfte seines Eigentums vermacht hat, stellt das Haus auf den Kopf, vergrößert die Dienerschaft, die nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht (Che interminabile / Welch unaufhörliches Hinum und Herum) und gibt das Geld mit vollen Händen aus. Als Pasquale ihr verbieten will, alleine auszugehen, erhält er eine schallende Ohrfeige, die dann schnurstracks zum Finale der Oper führt, welche mit einem absehbaren Happy end schließt. 

„Die Kenner unter den Zuschauern im Pariser „Théâtre-Italien“ dürften am 3. Januar 1843 überrascht gewesen sein. Nach langer Zeit brachte Gaetano Donizetti, neben Giacomo Meyerbeer der renommierteste Opernkomponist, wieder eine abendfüllende Buffa zur Uraufführung. Das Premierenpublikum war begeistert und der Erfolg ist dem Werk bis heute treu geblieben. Nach der sentimentalen Komödie des „L’elisir d’amore“ (1832) und der „Fille du régiment“ (1840), einer spritzigen französischen opéra comique mit gesprochenen Dialogen, schien „Don Pasquale“ nichts weniger als die Wiedergeburt der alten italienischen Buffa aus dem Geist des bürgerlichen Zeitalters. Nach Nostalgie freilich stand Donizetti nicht der Sinn. Zwar wurden in Italien weiterhin komische Opern komponiert, aber die eigentliche Geschichte der Buffa war schon Jahrzehnte zuvor mit Rossinis „Barbier“ (1816) zu Ende gegangen und bereits „Don Pasquale“ – und nicht erst Verdis „Falstaff“ weitere fünfzig Jahre später –, dessen dürfte der auf dem Gipfel seines Schaffens stehende Donizetti sich bewusst gewesen sein, der Nachzügler einer verblassten Tradition. „Don Pasquale“ ist ein „dramma buffo“, so die von Donizetti bewusst gewählte Gattungsbezeichnung – kein harmloser Schwank, sondern eine grausame Komödie mit ernstem Hintersinn. Der Komponist bedient sich der Tradition, nicht in der Absicht sie zu beerben, sondern als Vorwand eines glänzend organisierten dramatischen Spiels, das den Beweis erbringt, wie unter den Voraussetzungen und mit den Erfahrungen des romantischen melodramma serio, der ernsten Oper also, eine zeitgemäße musikalische Komödie funktioniert. Zeitgemäß aber sollte das Stück sein. Für die Pariser Premiere wollte Donizetti die Figuren „alla borghese moderna“, als zeitgenössische Bürger kostümiert. Als die die Sänger rebellierten und Kostüme im Stil der Zopfzeit verlangten, entgegnete er, „die Musik erlaubt das nicht“, musste aber doch nachgeben. Wie in den Romanen von Balzacs „Comédie humaine“ sollte sich auch in Donizettis menschlicher Komödie die Bourgeoisie wieder erkennen.“ (Uwe Schweikert)

Quelle:Uwe Schweikert: „Diese sehr ernsten Scherze“ Masken und Menschen, Komik und Ernst in Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ Essay zuerst abgedruckt im Programmheft der Don Pasquale-Inszenierung an der Komischen Oper Berlin (Spielzeit 2009 / 2010) Das Theater Regensburg dankt dem Autor herzlich.

Giuseppe Verdi: „Va’ pensiero sull’ali dorate“ (Flieg’, Gedanke, auf goldenen Schwingen), Gefangenenchor aus „Nabucco“

Als Gaetano Donizetti zum ersten Mal Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ hörte, kommentierte er dieses Ereignis mit einem Satz: „Und doch, das ist ein Genie!“ Tatsächlich brachte das Werk dem jungen Verdi den großen Durchbruch; die Uraufführung des „Nabucco“ am 9. März 1842 an der Scala bedeutete für den 28-Jährigen einen beispiellosen Triumph. Die elektrisierende Wirkung des Werks ging vor allem von den zahlreichen Chören aus, die in der Gesamtanlage der Oper einen qualitativ wie quantitativ herausragenden Stellenwert einnehmen: Wichtiger Protagonist ist das jüdische Volk, das unter der babylonischen Besatzung leidet. Vor diesem politischen Hintergrund entspinnt sich das Familiendrama mit der machtbesessenen vermeintlichen Königstochter Abigaille im Zentrum. Am Ende überwindet der babylonische König Nabucco seinen Größenwahn und entlässt die gefangenen Israeliten in die Freiheit, eine Thematik, die im Uraufführungsjahr 1842 auf offene Ohren stieß: Das italienische Publikum identifizierte sich mit den Israeliten, litt es doch selbst unter der Fremdherrschaft der Habsburger und Bourbonen.
Mit Vorliebe bediente sich Verdi in vielen Chorszenen der Unisono-Technik, die zwar kein Novum war, jedoch im „Nabucco“ eine neue Ausdrucksqualität gewinnt. Dies gilt vielleicht für keinen der Chöre so sehr wie für den berühmten Gefangenen-Chor „Va pensiero sull’ali dorate“, der auch heute noch in Italien den Rang einer inoffiziellen Hymne einnimmt.

Giuseppe Verdi: Chor der Zigeunerinnen und der Stierkämpfer aus dem 2. Akt von „La Traviata“

Giuseppe Verdis elf Jahre nach „Nabucco“ uraufgeführtes melodramma „La Traviata“ zählt bis heute den beliebtesten aller Opern.

Das Werk, dem Verdi ursprünglich den Titel „Amore e morte“ geben wollte, erzählt die Geschichte der todkranken Kurtisane Violetta Valéry, deren Vorbild eine zeitgenössische Figur war: die Edelkurtisane Marie Duplessis, die mit 23 Jahren an Schwindsucht verstarb. Durch seine Liaison mit ihr wurde Alexandre Dumas der Jüngere zu seinem 1848 erschienenen Roman „La Dame aux camélias“ inspiriert, den Verdi, so mutmaßt man, kannte. Womöglich hat der Komponist im Februar 1852 in Paris sogar eine Aufführung des gleichnamigen Schauspiels gesehen, das die Öffentlichkeit heftig schockierte (Verdi hielt sich zu dieser Zeit mit seiner Lebensgefährtin Giuseppina Strepponi in Paris auf.). Jedenfalls wählte Verdi mit „La Traviata“ einen überaus gewagten Opernstoff: „Ein anderer würde ihn vielleicht nicht gemacht haben, wegen der Sitten, wegen der Zeiten und wegen tausend anderer blöder Skrupel … Ich mache ihn mit dem größten Vergnügen.“ (an Cesare De Sanctis).

„Am auffälligsten für jeden Hörer, der erstmals dieser Oper begegnet, ist das Vorherrschen der Tanzmusik. Selbstverständlich wird in den beiden in der Pariser Gesellschaft spielenden Bildern, in Violettas Salon sowie in Floras Palais, getanzt. Die Tanzmusik ist hier szenisch motiviert. Das gilt, trotz der Parlante-Passagen, bereits für die Introduktion, gilt für das strophische Trinklied (das Alfredo als distinguierten Pariser Lebemann einführt) wie für den von der Banda gespielten Walzer. Auch die Chorauftritte der Zigeunerinnen und Stierkämpfer im zweiten Finale sind tänzerisch unterfüttert. Und im Karnevalsbacchanal des letzten Akts, einem schnellen Galopp, scheint Verdi noch vor Offenbach den Pariser Modetanz Cancan auf die Bühne gebracht zu haben. Überhaupt wird in der „Traviata“ intentional fast immer getanzt. Mit Ausnahme des Vorspiels gibt es fast keine Nummer, in der nicht der charakteristische Rhythmus des Walzers, ob schnell oder langsam, erklingt.“ (Uwe Schweikert)

Quelle: Uwe Schweikert: Amore e morte. Verdis „La traviata“ – Passion einer Liebenden. Essay erschienen im Jahrbuch der Zeitschrift Opernwelt 2009.


Opernchor – on Broadway

Unter dem Titel „Richard Rodgers in concert“ präsentieren die Sängerinnen und Sänger des Opernchors abschließend Chorarrangements von Songs aus Broadway-Musicals von Richard Rodgers.

Richard Rodgers wurde am 28. Juni 1902 als Sohn einer angesehenen Arztfamilie auf Long Island, New York geboren. Er brachte sich selbst das Klavierspiel bei und schrieb bereits im Alter von vierzehn Jahren erste Songs für Amateur-Revuen. 1918 begegnete er dem Textdichter Lorenz Hart, auf dessen Rat hin er von 1919 bis 1921 an der Columbia University und anschließend am Institute of Musical Art in New York studierte. 22 Jahre lang verband Rodgers mit Hart eine enge Zusammenarbeit: Beide wurden zu einem der produktivsten und erfolgreichsten Teams am Broadway. Hart schrieb die Songtexte zu 29 Musicals u.a. zu „On your Toes“ (1936) oder zu „Babes in Arms“ (1937; daraus „My funny Valentine“). Seine anspruchsvollen Texte begeisterten ebenso wie Rodgers Musik, wobei die Songs jeweils fest in die Handlung integriert waren. Kurz vor dem frühen Tod Harts begann Rodgers Zusammenarbeit mit dem Textdichter Oscar Hammerstein (II.). Ihr erstes Musical, „Oklahoma!“ aus dem Jahr 1943, sollte zu einem der größten Erfolge in der Geschichte des Musicals werden. Als erstes Musical überhaupt wurde es 1944 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Und die Erfolgsgeschichte ging weiter: Die meisten der von Rodgers und Hammerstein geschaffenen Musicals gehören bis heute zu den großartigsten der Broadway-Geschichte, darunter „Carousel“, das erstaunlich politische Musical „South Pacific“ oder „The King and I“. Bevorzugte Rodgers gemeinsam mit Hart kurze Songs mit einfachen Melodien, die den Einfluss des Jazz verrieten, so schrieb er zu den Texten Hammersteins häufig gefühlvolle Balladen. Die letzte gemeinsame Arbeit des Duos war das Musical „The Sound of music“. Die Rolle der Maria Trapp wurde für die Sängerin Mary Martin geschrieben, damals unbestreitbar die Königin des Broadway und übrigens die Mutter von Dallas-Bösewicht J. R. Ewing alias Larry Hagman. Nach Hammersteins Tod verfasste Rodgers zuweilen selbst die Songtexte, allerdings ohne großen Erfolg. Er komponierte außerdem zahlreiche Film- und Ballettmusiken.

Richard Rodgers erhielt für sein Werk alle wichtigen Auszeichnungen, ob Tony, Emmy, Grammy oder den Oscar. Mehrere amerikanische Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, zudem gehörte er ab 1959 dem Direktorium der Juilliard School of Music in New York an. Im Alter von 77 Jahren starb Richard Rodgers in seinem New Yorker Haus infolge einer schweren Krebserkrankung.

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