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P-Seminar Bühnenbild

In der Spielzeit 2019/2020 arbeitete das Theater Regensburg im Rahmen eines P-Seminars eng mit Schülerinnen und Schülern des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums Regensburg zusammen. Das Seminar im Fach Kunst hatte die Beschäftigung mit Bühnenbild und Ausstattungskonzepten zum Ziel. Drei Stücke, die für die Spielzeit 2019/2020 geplant waren, boten den Schüler*innen die Arbeitsgrundlage: „Auftritt Demokratie!“ (Schauspiel), „Vinutlato, mein Hund und die Farbe Blau“ (Junges Theater) und „#nofilter“ (Jugendclub).

Insgesamt vier Gruppen erarbeiteten in engem Austausch mit Mitarbeiter*innen des Theaters eigene Bühnen- und Kostümbilder zu den Stücken. Die entstandenen Bühnenbildmodelle, Kostümentwürfe und Plakatideen wollen wir hier präsentieren.

Gruppe 1

Von Hunden und Blauen Bühnenbildern

Das Stück „Vintulato, mein Hund und die Farbe Blau“ nach dem gleichnamigen Buch von Philipp Löhle, das unser Team im Zuge unseres Schulprojektes zum Thema Bühnenbild übernehmen durfte, handelt von einem Jungen, der durch seinen imaginären Freund Vintulato lernt, selbstständig und ein Stück erwachsener zu werden. Unser Ziel bei der Gestaltung des Bühnenbildes war es, alle Handlungsplätze, die in der Geschichte vorkommen, in einem Raum zu vereinen, diesen aber so zu gestalten, dass er ohne Umbaupausen einfach bespielt werden kann. Und zwar auch so, dass selbst die jüngsten Zuschauer*innen verstehen, wo die Geschichte stattfindet.

Bühnenbild

Die erste Idee bestand darin, nur durch Requisiten und unterschiedliche Beleuchtung die verschiedenen Orte, wie zum Beispiel eine Baustelle oder einen Wald, anzudeuten. Doch wir merkten, dass das für ein Kinderstück viel zu langweilig und phantasielos wäre, da es dabei einfach zu wenig zu sehen gäbe. Also nahmen wir uns vor, die Bühne in zwei Hälften zu teilen und nur eine davon voll einzurichten und die andere gemäß unserer ursprünglichen Idee zu verwenden. Als Kulisse dafür nahmen wir uns den Ort, der unserer Meinung nach die größte Bedeutung in der Geschichte hat: das Kinderzimmer des Jungen, in dem Vintulato das erste Mal erscheint und dann immer wieder auftaucht. Um den Umgang mit den Requisiten zu erleichtern, entschieden wir uns, den kleinen Miniaturkran, den wir in einer der ersten Szenen verwenden, so zu designen, dass man ihn einfach auseinandernehmen und in verschiedene andere Objekte umwandeln kann. Auf diese Weise ist es nicht mehr nötig mit einzelnen Möbelstücken zu arbeiten. So erhält man beispielsweise, wenn man ihn zerlegt, zwei Stühle oder einen kleinen Tisch. Um unsere Vorstelllungen so gut wie möglich umzusetzen, fertigte Sarah Lugner ein digitales 3D-Modell des Bühnenbildes an.

Kostüm

Die größte Hürde bei den von Sophia Kerscher entworfenen Skizzen für die Kostüme und Requisiten war, wie auch beim Bühnenbild, sie so farbenfroh und verspielt wie möglich und dennoch einfach umsetzbar zu gestalten. Eine weitere Vorgabe war, dass die Inszenierung mit maximal drei Schauspieler*innen umgesetzt werden kann, wobei wir uns für nur zwei entschieden. Bei den Kostümen der beiden Protagonisten griffen wir nochmals die für die Geschichte wichtige Farbe Blau auf, um eine Verbindung zwischen Vintulato und dem Jungen zu schaffen. Der ursprüngliche Plan, dass ein dritter Schauspieler im Wechsel die Rolle von Hund und Katze übernehmen sollte, wurde verworfen, da dies unserer Meinung nach zu umständlich umzusetzen war, und so wurde er schlicht und einfach durch zwei Marionetten ersetzt, wodurch auch andere Aspekte des Theaters, nämlich des Puppentheaters aufgegriffen und integriert wurden. Die beiden Marionetten sollen abwechselnd von den Schauspielern gespielt werden.

Von Sarah Lugner, Sophie Kerscher

Gruppe 2

Lasst die Hosen fallen und mit ihnen die Fassade

Demokratie. Ein simples Wort, jedoch mit einer großen Aussage. Wir, vier Schülerinnen und Schüler des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums, beschäftigten uns mit Demokratie in den verschiedensten Facetten. Eineinhalb Schuljahre lang haben wir nun an einem Projekt unter dem Thema „Demokratie“ gearbeitet. Im Rahmen einer Stückentwicklung des Theaters Regensburg haben wir ein Ausstattungskonzept nach unserer Vorstellungen, was Demokratie eigentlich ausmacht und wie es um sie steht, entwickelt. In welche Tiefen diese Recherchen und Gedankengänge gingen und wie kritisch wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt haben, zeigt das einleitende Zitat. Wir haben uns entschlossen, über unsere Arbeit das Leitbild „die Hosen runterlassen“ zu stellen, um zu verdeutlichen, dass in diesem Stück alle ihre wahren Gesichter zeigen und sich niemand hinter so banalen Dingen wie Kleidung verstecken kann. Unser hierbei entstandenes Ausstattungskonzept beinhaltet ein Bühnenbild, Kostümentwürfe sowie den Versuch eines Werbeplakats.

Passend zu unserem Motto „die Hosen runter lassen“ tragen unsere Figuren, die frei erfundene Politiker darstellen, oben ein Sakko, so wie es sich scheinbar gehört, sind unten allerdings nur mit Unterhosen bekleidet. Im Zusammenspiel mit dem Bühnenbild kann man die Figuren nun teilweise ganz sehen oder nur ab dem Oberkörper. Um die verschiedenen Charaktere zu verdeutlichen, tragen unsere Figuren unterschiedliche Sakkos, die zeigen, wie sie sich nach außen präsentieren möchten. Die Unterwäsche und gegebenen falls auch unrasierte Beine oder ungepflegte Fußnägel zeigen die Person wiederum von einer anderen Seite. Man sieht also immer zwei Seiten von den jeweiligen Figuren im Gegensatz zueinander.

In Sachen Bühnenbild sind wir während der ersten Teambesprechungen über die Idee eines Escaperooms, welcher wegen seiner klaustrophobischen Stimmung und daraus entstehenden Konfliktmöglichkeiten für uns sehr spannend schien, darauf gekommen, dieses Konzept auf die Enge eines Fahrstuhls zu übertragen. Die typische Fahrstuhlmusik und das Steckenbleiben sind mögliche Szenarien, um das Stresslevel im Aufzug zu erhöhen. Wir legten in sowohl Gruppen- als auch Einzelarbeit den Fokus darauf, einen zweigeteilten Raum zu erschaffen, welcher aus dem von uns als Thema ausgewählten Fahrstuhl und einem weiteren bespielbaren Büroraum besteht. Durch die Jalousien, welche als eine Art Vorhang fungieren, kann dieser Büroraum verändert werden und man erschafft so die Illusion von mehreren Etagen. Die Höhe der Mauer bis zum Fenstersims ist nicht zufällig gewählt, denn sie ist auf die Kostümidee abgestimmt und kann somit zum Beispiel das Fehlen einer Hose bei einem Charakter verschleiern. Um eine neue interessant zu bespielende Ebene zu erschaffen, haben wir den Fahrstuhl aufgeschnitten, damit die Illusion entsteht, dass sich der Zuschauer mit den Schauspielern im Fahrstuhl befindet. So wird auch das Fehlen der Hosen aufgedeckt und auf die Schwächen der Politiker verwiesen.

Von Mirjam Schmalzl, Elisabeth Striepling, Luca Mader, Felix Thamm

Gruppe 3

Ist das noch echt oder schon gefiltert?

Social Media als Inspiration

Der Jugendclub plant ein Theaterstück mit dem Titel #nofilter und die drei Schüler*innen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das dazu passende Bühnenbild zu entwerfen. Doch bevor es losgehen kann, muss geklärt werden, was Filter überhaupt sind und für was man sie benutzt. Den Begriff bekommt man immer wieder auf den soziale Netzwerke zu lesen, wenn es darum geht, die Realität zu verschleiern: Sei es mit dem Hundefilter auf Snapchat oder mit Filtern wie „Oslo“ oder „Melbourne“ beim Erstellen von Instagram-Beiträgen. Diese Filter verfälschen das ursprüngliche Bild und gaukeln den Beobachtern eine Welt vor, die so gar nicht existiert.
Die Idee der Realitätsverfälschung wurde auch in dem Bühnenbild aufgegriffen. Auf der Bühne steht eine ca. 3 Meter breite, 2 Meter hohe und 2 Meter tiefe, aus Holz gefertigte Box, mit nach außen aufklappbaren Seitenteilen und lichtdurchlässigen Scheiben, die im Laufe des Stücks geöffnet werden. Diese Box, oder besser gesagt das Innere der Box, stellt die Welt da, wie sie durch die Filter gezeigt wird, mit all ihren Farben, makellosen Menschen und tollen Kleidern. Die Fläche um die Box herum stellt die Welt dar, wie sie ist. Sie ist durch die durchsichtigen Fenster auch in den Farben beleuchtet, die in der Box so farbenfroh vor sich hin strahlen, was den Eindruck erweckt, dass die Welt außen genau so prächtig ist wie innen. Doch auf den zweiten Blick fällt auf, dass dem nicht so ist. Wenn man das Spiel der Farben ausblendet, sieht man die Leere und Trostlosigkeit, die den Raum bestimmt und auch auf das Gemüt der Figuren schlägt.

Die Figuren – Ein bunter Mix

Bei den Kostümen erkennt man Elemente von verschiedenen Social Media Plattformen, vor allem ihre bunten Icons. Diese werden aus Pappe, etwa in der Größe der Schauspieler, ausgeschnitten und an diesen so angebracht, dass nur noch der Kopf, die Beine und die Hände zu sehen sind. Dieses Kostüm schränkt die Bewegungsmöglichkeiten der Schauspieler dezent ein. Damit zeigt das Kostüm, dass die Plattformen, obwohl sie keine physische Gewalt ausüben können, Menschen stundenlang an fiktiven Orten (dargestellt durch die Box) festhalten können – und das alleine durch die Macht des Wortes und ihre Algorithmen. In mitten dieser App-Icons sehen wir unsere Hauptperson, ein wunderhübsches Mädchen, in ihrem besten Kleid, das sich fröhlich lachend in der Box – in der durch Sozial Media fast perfekt scheinenden Welt – aufhält, bis sie eines Tages den Ausweg aus dieser Welt und somit der Box findet.

Von Nawwal Azzahrah, Jonas Stail, Andreas Sandner

Gruppe 4

Vintulato und der Weg zur Farbe Blau

Eine Geschichte über einen Jungen und seinen (imaginären) Freund auf dem Weg zu Freiheit und Selbstbestimmtheit.
Im Rahmen unseres P-Seminars durften wir ein Bühnenbild zum Schauspiel „Vintulato, mein Hund und die Farbe Blau“ nach dem gleichnamigen dem Kinderbuch von Philipp Löhle entwerfen. Das Stück stand eigentlich im Sommer 2020 im Jungen Theater auf dem Spielplan, inszeniert vom Autor Philipp Löhle. Ende Januar hatten wir unseren ersten Termin mit Agnes Gerstenberg, der Theaterpädagogin von „Vintolato“.

Grundidee

Die größte Herausforderung waren die häufigen Ortswechsel in der Handlung, weshalb wir nach einer einfachen, aber vielseitigen Möglichkeit der Bühnennutzung suchten. Ein zentraler Ort im Stück ist das Kinderzimmer der Hauptperson und schnell wurde uns klar, dass das Nonplusultra eines Kinderzimmers das „Kallax“-Regal bildet. Ein „Kallax“-Regal ist ein quadratisches Regal mit quadratischen Fächern, zu dem man würfelförmige Schubladen kaufen kann. Nebenbei bietet dieses einfache Objekt auf der Bühne die großartige Möglichkeit, eine Vielzahl an Requisiten zu verstauen. Um einen schnellen Szenenwechsel zu ermöglichen ist das Regal drehbar und so auch von der Rückseite bespielbar.

Konzept

Bei den Ideen für die Kostüme orientierten wir uns stark an den Illustrationen der Buchvorlage. Die Entwicklung des Jungen, der durch seinen imaginären Freund Vintulato immer selbstständiger wird, sollte in unserer Inszenierung durch das Licht und die Farbe des Regals verdeutlicht werden. Denn der Junge betont immer wieder, wie sehr er die Farbe Blau liebt. Je mehr er also seinen eigenen Willen durchsetzt, desto blauer wird die Beleuchtung. Im Buch streicht der Junge sein Zimmer als finalen Akt der Selbstbestimmung blau, gegen den Willen seiner Eltern. Um diesen Schritt im Theaterstück zu verdeutlichen, schiebt er die Kisten, welche vorne weiß und hinten blau sind, verkehrt herum, also mit der blauen Seite nach vorne, ins Regal. Je selbstständiger der Junge wird, desto blauer wird seine Umgebung und verwandelt sich mehr und mehr in das Zuhause, das er sich gewünscht hat und braucht.

Von Mia Edenhofer, Genoveva Ledermann, Nina Heller

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