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KYRIE ELEISON | Bachs Messe in h-Moll als emotionales Musiktheater

Jochen Biganzoli, der 2016 für den Theaterpreis DER FAUST nominiert war, hat die Herausforderung angenommen, aus Bachs monumentaler Messe Musiktheater werden zu lassen. Premiere: 9.12.2017 im Theater am Bismarckplatz

Warum hat Bach keine Oper komponiert? Ganz anders als sein Zeitgenosse Händel, der die Theaterwelt gleich mit über 40 Opern beglückt hat, war Johann Sebastian Bach – durch seine Biographie bedingt – voll und ganz Kirchenmusiker. Doch hört man genauer hin, enthüllt sich in seinen geistlichen Werken, und besonders in der Messe in h-Moll, ein Klangkosmos voller Emotionen und Bilder. Über ein Vierteljahrhundert hat Bach an dieser Messe gearbeitet, die in Form und Inhalt alle bis dahin gekannten Dimensionen sprengt.
Jochen Biganzoli, der 2016 für den Theaterpreis DER FAUST nominiert war, hat die Herausforderung angenommen, aus Bachs monumentaler Messe Musiktheater werden zu lassen. Im Interview mit Dramaturgin Christina Schmidt berichtet der Regisseur von seinen Ideen zu diesem Werk.


Foto Schottenkirche: Jochen Quast

Im Unterschied zum Oratorium hat eine Messe keine konkrete Handlung, sondern ist in den Kontext eines Gottesdienstes eingebunden. Was sind aus deiner Sicht die Themen, die in Bachs Werk angesprochen werden?
Der Text der h-Moll-Messe folgt in etwa der Liturgie eines katholischen Gottesdienstes. Bachs Musik geht aber zum Teil andere Wege. In den Arien zum Beispiel kommen einzelne „Meinungen“ zum Tragen, Bach vermenschlicht, wenn man so will, das jeweilige Thema. Die Musik geht weit über die Aussage des Textes hinaus. Sie spricht Emotionen an. Das ist ein sehr interessanter Punkt, der dem Werk auch oft vorgeworfen wurde. Bach bringt durch seine Musik den Text der Liturgie den Menschen emotional näher. Das steigert die Wirkung der Worte.

Welche Bilder hast du in diesem Zusammenhang für deine Inszenierung entwickelt?

Ich versuche, der Musik Bachs zu folgen. Natürlich wird dort meistens keine konkrete Handlung beschrieben. Wir interpretieren, aber alle Szenen, die wir entwickelt haben, sind aus dem Geist der Musik entstanden, auch und gerade weil sie manchmal anderes erzählt als der Text. Bach bringt uns die Themen näher, er rückt sie ganz nah an uns heran. Das schreit dann geradezu nach einer Umsetzung auf dem Theater.

Als Regisseur bist du dafür bekannt, immer auch den Gegenwartsbezug der Stücke zu befragen. Wie kann man sich das bei der h-Moll Messe vorstellen?

Wir werden keinen Gottesdienst feiern, sondern uns mit den menschlichen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen von Spiritualität, Glaube und Kirche auseinandersetzen. 2017, Lutherjahr, eine katholische Messe, ein protestantischer Komponist. Eine Aufführung in einem Theater. Dieses faszinierende Spannungsfeld erzeugt schon an sich viel Reibung. Und die Frage nach der Bedeutung von Glauben heute oder die Frage nach der Rolle der Kirchen in unseren Zeiten sind absolut relevant. Und noch konkreter: Wie kann man Themen, wie die voranschreitenden Tendenzen zur Ausgrenzung und Abschottung, die ja auch zum Wahlerfolg der AfD geführt haben, mit der christlichen Nächstenliebe in Einklang bringen?

MESSE IN H-MOLL
von Johann Sebastian Bach (1685–1750), BWV 232

Sopran Anne Preuß / Anna Pisareva, Theodora Varga
Alt Vera Egorova-Schönhöfer, Vera Semieniuk
Tenor Yinjia Gong
Bass Jongmin Yoon
Opernchor, Extrachor
Philharmonisches Orchester Regensburg


ÖFFENTLICHE PROBE: 29.11.2017 \ 18 Uhr \ Theater am Bismarckplatz \ Eintritt frei
MATINEE: 3.12.2017 \ 11 Uhr \ Neuhaussaal \ Eintritt frei
PREMIERE: 9.12.2017 \ 19.30 Uhr \ Theater am Bismarckplatz
WEITERE TERMINE: 11., 15., 19., 25., 28. Dezember 2017, 2., 9. Januar 2018, 1., 21., 26. Februar 2018 \ jeweils 19.30 Uhr; weitere Termine bis Juni 2018
PREISE: 8 – 41,80 €, Joker-Vorstellung am 9.1.2018 (alle Karten 15 Euro)
INFOS UND TICKETS: Tel. 0941-507 24 24 oder hier.

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